Wasserkraftanlage Herrenmühle

Sanierung des historischen Mühlenrades an der Herrenmühle

 

Wunderschön am Mühlbach gelegen, streckt sich das Haupthaus der Herrenmühle imposant empor. Im historischen Gewand belassen, zählt die Herrenmühle mit dem dazugehörigen Park sicherlich zu den schönsten Plätzen Altöttings. Wie der Name Herrenmühle vermuten lässt, wurde in der Vergangenheit die Wasserkraft vor Ort genutzt, um eine Mühle zu betreiben – in diesem Fall eine Getreidemühle.

Erstmalig urkundlich erwähnt wurde die Herrenmühle um 1441. Bis ins Jahr 1967 wurde die Wasserkraft am hiesigen Standort aktiv genutzt. Das Mühlengesetz erzwang jedoch damals die Stilllegung kleiner Mühlen, seither stand das Mühlenrad an der Herrenmühle die meiste Zeit still.

 

Die Wasserkraft stellt seit jeher eine bedeutsame Stütze bei der Energieversorgung der Region dar und war mit ein maßgeblicher Grund für die industrielle Entwicklung des Landkreises Altötting und dem damit verbundenen einhergehenden Anstieg des Wohlstandes. Neben den großen Wasserkraftwerken an Alz und Inn spielten auch die vielen Kleinwasserkraftanlagen hierbei eine bedeutsame Rolle. Aus diesem Grund ist es Herrn Landrat Erwin Schneider, Initiator der Sanierung der Herrenmühle, besonders wichtig, dass eines der letzten verbliebenen historischen Mühlenräder der Region im Bestand saniert und wieder reaktiviert wird.

 

  Betrieb HerrenmühleDie EnergieGenossenschaft Inn-Salzach

  eG (EGIS eG) mit Sitz in Neuötting hat

  das Mühlenrad vom Landkreis  

  gepachtet und wird die historische
  Wasserkraftanlage energetisch 

  sanieren. Es ist vorgesehen, dass der

  zukünftig erzeugte Strom direkt vor Ort

  vom Pächter der Herrenmühle, dem

  Kreisjugendring Altötting, verwendet wird.

 

 

 Blick in das Innere vom Stirnradgetriebe der Wasserkraftanlage:

 

  

 

 

 

 

 

 

 

Einige Fakten zum historischen Mühlenrad an der Herrenmühle:

 

Bauform des Wasserrades

Mittelschlächtiges Zuppinger-Wasserrad

Erste Urkundliche Erwähnung

Im Jahr 1441

Fallhöhe

2,1 m

Maße

5,5 m Durchmesser, 1,75 m Breite

Anzahl der Holzschaufeln

42

Sanierungszeitraum

2014-2016

Generatorleistung

11 kW

Geschätzter Ertrag

85.000 kWh/a (24 Haushalte)

CO2- Einsparung

ca. 55 t/a

Unser Zeitplan

Projektstart:                                         27.07.2016

Fertigstellung/Inbetriebnahme:      Oktober / November 2016

 

Verfolgen Sie die Sanierung des historischen Wasserrades mit unserem Bautagebuch

    

 

 

Die Geschichte der Herrenmühle


Die Geschichte der Herrenmühle ist sehr eng mit der Geschichte des Mörnbaches (bei der Herrenmühle wird der Mörnbach als Mühlbach bezeichnet) und damit nicht zuletzt auch mit der Geschichte der Städte Alt- und Neuötting verbunden.

 

Bei der „Bruckmayer-Mühle“ in Altötting wurde wohl schon zum Ende des 12. Jahrhunderts ein Wehr geschaffen,

um das Wasser des Baches vom natürlichen Bachlauf, dem Gries, umzuleiten.

Die früheren Kanalbauer erkannten sehr aufmerksam, dass sich hier, bei einer natürlichen Geländestufe von über

10 Metern, eine Ableitung des Baches anbot. Es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass die bauliche Gründung der Stadt Neuötting in einem zeitlichen Zusammenhang mit der Schaffung des künstlichen Bachlaufes steht, der die Stadt bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts auf drei Seiten umrundete. Der Bach bewässerte die Wiesen, die für das Grünfutter von z. B. Zug- und Reittieren benötigt wurden, betrieb Mühlen, lieferte den zahlreichen Gerbereien und Färbereien das nötige Wasser und anderen Gewerben den Wasserdampf. Das Neuöttinger Spital, eine wohltätige Stiftung des 15. Jahrhunderts wäre ohne den Bach wohl kaum oder nicht an dieser Stelle entstanden!

 

Das ganze Gebiet rings um Altötting, mitsamt dem Mörnbach, stand unter der Herrschaft der Wittelsbacher Herzöge. Das Bestehen der Herrenmühle wird bereits zur Zeit der Errichtung des Stiftes (1228) angenommen. Die Mühle trug damals noch den Namen „Stiftsmühle“. Betrieben wurde die Mühle vermutlich von Müllern, die im Dienste des Stiftes standen.

 

Im Jahr 1380 erließ Herzog Friedrich von Bayern-Landshut eine Anordnung, die die Mühlen am Mörnbach betraf.  Die erste gesicherte Erwähnung der „Prandt“(Herren-)mühle findet sich in einer Neuöttinger Gerichtsurkunde des Jahres 1441. Auch in einer weiteren Urkunde der Stadt Neuötting aus dem Jahr 1493 wird diese Mühle genannt. Der Name „Prandtmühle“ stammt vom zwischenzeitlichen Betreiber der Mühle, dem Zinsmüller und Lehensmann Conrad Prandt.

Eine „Mörnbachordnung“ des Jahres 1488 regelt die Rechte und Pflichten von Anliegern und Nutzern am Mörnbach noch genauer, als die Anordnung von 1380. Diese Mörnbachordnung wurde 1528 nochmals ergänzt. Dieser Nachtrag ist besonders interessant, da in ihm zum ersten Mal die am Mörnbach bestehenden Mühlen aufgeführt werden. Im Altöttinger Hofmarkgebiet werden die Wiesmühl, die Gißmühle (heute Bruckmayer), Prantlmühle (Herrenmühle) und Pogenmühle (Straßmühle) aufgeführt. Im Neuöttinger Stadtgebiet  werden acht Mühlen genannt: Radlmühle (Wispeck), Mauerberger-, Albrecht-, Lederer-, Steindl-, Subner-, Spatz-, Spital- und Krautmühle.

 

Der Name „Herrenmühle“ (benannt nach dem Chorheerenstift) taucht erstmalig gegen Ende des 18. Jahrhunderts in einer Notiz im Altöttinger Administrationsarchiv auf. Als in der Säkularisation 1803 das Chorherrenstift aufgelöst wurde, bestand die Möglichkeit die Mühle zu erwerben. Mehrere Müller hatten das Anwesen in ihrem Besitz, bis die Familie Trenker die Mühle im Jahr 1831 kaufte und dann über 100 Jahre lang bewirtschaftete, so dass auch der Name „Trenker-Mühle“ gebräuchlich wurde. Zur Zeit der Trenker bestand die Mühlenanlage aus der Mahlmühle, der Schleifmühle, dem Sägewerk, einer Schreinerei, dem Wohnhaus, Stall und Stadel.

 

Die Bauten der heutigen „Herrenmühle“ stammen zum Teil noch aus dem Jahr 1902. Bauherr war Alfons Trenker, der auch 2. Bürgermeister der Stadt Altötting war. 1934 verpachtete Alfons Trenker die Mahlmühle und zog sich in seinen gegenüberliegenden Ruhesitz zurück. Neben der Einfahrt der Mühle ließ er eine Kapelle errichten.

Alfons Trenker verstarb im Jahr 1944, wodurch ihm das große Leid erspart blieb, das über die Familie seiner Tochter Maria kam. Deren Ehemann, Martin Seidel, Beamter der Stadt Altötting wurde beim Versuch die Stadt Altötting vor der drohenden Vernichtung vor Kriegsende zu retten durch ein SS-Kommando erschossen. Die Witwe Seidel führte den Mühlbetrieb mit ihren heranwachsenden Söhnen so gut wie möglich weiter. Viele Alt- und Neuöttinger holten das Mehl auf Handkarren oder im Winter mit Schlitten bis weit in die 1960er Jahre noch direkt von der Mühle ab.

 

Als die Mühle zur Zeit des „Mühlensterbens“ keinen Gewinn mehr abwarf, konnte der Betrieb nicht mehr aufrechterhalten werden. Die Gebäude wurden an einen privaten Interessenten verkauft.

In den 1990er Jahren erwarb der Landkreis Altötting die „Herrenmühle“ und gestaltete sie zu einem Haus für die Jugend, welches vom Kreisjungendring Altötting heute genutzt wird, um.

 

 

Textquellen:

  • Baumann, Eduard (1993): Von der Stifts-, Prandt- und Herrenmühle zu Altötting. Erschienen in "Oettinger Heimatland" e.V. (Hrsg.): Öttinger Land Band 13. S. 234-241.
  • Klöpper, Klaus (1984): Der Mörnbach – ein Beitrag zur Geschichte des Wasserbaues und der Wasserwirtschaft im Landkreis. Erschienen in "Oettinger Heimatland" e.V. (Hrsg.): Öttinger Land Band 4. S. 86-106.
  • Renate Heinrich, Kreisheimatpflegerin.

Bilderquellen:

  • Baupläne + Foto Herrenmühle um 1900: Archiv des Landkreises Altötting